< zurück zur Übersicht der Themen

Armut und Arbeitslosigkeit in Namibia

Es gibt keine Arbeitslosenversicherung, keine Grundsicherung, kein soziales Netz. Viele Familien leben von der Rente der Großeltern, die bei ca. 300 namibischen Dollar liegt, das entspricht etwa 30 Euro im Monat. Dass keine Kinder mehr verhungern, liegt an dem Erfindungsreichtum der Betroffenen, dem Zusammenhalt in den Familien und an den vielen kleinen Initiativen, die versuchen zu helfen.

Die Fakten

  • 2004 werden von der Regierung offiziell 36,7 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung als arbeitslos angegeben
  • 2008 liegt die Zahl nach Angaben des Namibian Labour Force Survey (NLFS) bei 51,2 Prozent.

Besonders schwierig ist die Situation für Jugendliche und für Frauen.

  • Die Arbeitslosequote der Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren liegt bei 83 Prozent
  • die der jungen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren bei 67 Prozent
  • die Quote der männlichen Arbeitslosen liegt knapp über 40 Prozent
  • die der Frauen bei 58,4 Prozent

Es gibt bedeutende regionale Unterschiede.

  • Im industriearmen, aber bevölkerungsreichen Norden des Landes finden sich die höchsten Quoten (Omusati 78,6%, Ohangwena 76,4%, Okavango 70%)
  • In den Regionen mit stärkerer Wirtschaftsstruktur die niedrigsten (Khomas 33,5%, Erongo 32,6%).

Die Zahlen erklären, warum die Abwanderung der Menschen aus dem traditionell von einer Subsistenzlandwirtschaft geprägten Norden weiter geht.

Die negative Entwicklung hält an. Die Einkommen der Arbeiter sinken und Namibia gehört jetzt mit einem Gini-Koeffizienten von 0,70 zu den Ländern mit der weltweit stärksten Ungleichverteilung der Einkommen.

Die Abhängigkeit von den Konjunkturzyklen der Industriestaaten und den damit verbundenen starken Schwankungen der Rohstoffpreise macht Namibias Wirtschaft besonders anfällig, da ca. 13 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) im Minensektor erwirtschaftet werden.

Auch im Tourismussektor ist Namibia direkt vom wirtschaftlichen Wohlergehen der Industriestaaten abhängig. Viele Arbeitsplätze in der Gastronomie, dem Hotelgewerbe sowie im Handel und Kleingewerbe sind auf stabile Touristenzahlen angewiesen. Ca. 15 Prozent des BIP werden in diesem Sektor erwirtschaftet.

Die erhoffte Veränderung der Situation durch die Landreform blieb bisher aus. Die Umverteilung des Bodens geht sehr langsam voran. Im Finanzjahr 2008/2009 erwarb die Regierung nur drei Farmen mit einer Gesamtfläche von 15.366 ha zur Ansiedlung von landlosen Farmern. Doch selbst eine ambitionierte Landreform würde an den grundlegenden Problemen Arbeitslosigkeit und Armut kaum etwas ändern, solange sich sowohl schwarze als auch weiße Farmer nicht an den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 560 N$ plus Naturalien von 300 N$ pro Monat halten. Ein Problem auf das der Generalsekretär die Farmarbeitergewerkschaft Nafwu (Namibian Farm Workers Union), Alfred Angula, hinweist.

Quelle: Die Bürde der Arbeitslosigkeit von Ali Hensel in: afrika süd - zeitschrift zum südlichen afrika Nr. 1, Februar / März

Siehe auch: www.schattenblick.de

Armut und Arbeitslosigkeit in Namibia Armut und Arbeitslosigkeit in Namibia