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Broschüre: Who Takes Care?

Kinder und HIV / AIDS

Schätzungen gehen davon aus, dass in Namibia etwa 250.000 Kinder von Aids unmittelbar betroffen sind. Das heißt: Entweder sind sie Waisen oder haben in der Familie den Tod eines Menschen zu beklagen oder sie sind selbst infiziert.

Die Folgen der AIDS-Pandemie für die Gesellschaft und die Familien hat Agnes Tom zusammengefasst:

„Traditionell ist das so in Großfamilien …. wenn ich sterben würde, würden meine Kinder Mama zu meiner Schwester sagen. Sie würden nie ohne Mutter und Vater sein. In der Afrikanischen Kultur gab es nie so etwas wie ein Waisenkind. Jetzt ist sie zerbrochen, die Großfamilie. Das hat uns HIV gebracht.

Wenn ich vier Kinder habe und meine Schwester plötzlich stirbt und fünf Kinder zurücklässt, dann habe ich neun Kinder. Ich kann keine neun Kinder unterstützen. Da entsteht Chaos, weil es nicht genügend Lebensmittel gibt. Da ist keine wirkliche Fürsorge möglich. Wir leben nicht durch materielle Dinge, wir leben durch die Liebe. Durch Respekt, durch Fürsorge. So sind wir aufgewachsen und das ist es, was wir verloren haben.“

Die Broschüre von Michaela Fink und Reimer Gronemeyer beinhaltet Aufsätze, die Kinder ab der 6. Klasse, an zwei Schulen, zu den Themen : „Wer sorgt für mich?“ und „Aufwachsen in Zeiten von Aids: Was sind meine Erfahrungen?“ geschrieben haben.

Einige der Ergebnisse seien hier erläutert:

Dass Kinder mit ihren biologischen Eltern zusammenleben ist in Namibia die Ausnahme. Meistens haben sie eine Mutter und einen Stiefvater.

In den Aufsätzen zum Thema: „Wer sorgt für mich“ wird deutlich, dass die erste Frage nicht im Sinne emotionaler Beziehung gedeutet wird sondern unter dem Aspekt materieller Versorgung: Unterkunft, Nahrungsmittel, Bekleidung usw.

Regelmäßiges und ausreichendes Essen spielt eine große Rolle. Sehr häufig leben zu viele Menschen in einem Haushalt und zu wenig Nahrungsmittel sind verfügbar. Adoptierte, aufgenommene Kinder fühlen sich häufig vernachlässigt in der Versorgung mit Essen und anderen Dingen. In vielen Aufsätzen finden Kinder es erwähnenswert und wichtig, darzustellen, wenn für sie ein Pausenbrot gerichtet wird.

Die Ausätze zeigen, wie betroffen Kinder über Diskriminierung von/wegen HIV / AIDS sind.

Die nachfolgenden Text-Beispiele zeigen die Erfahrungen und Gedanken von Kindern, die sich in Namibia mit diesen Themen auseinandergesetzt haben:

Martha, Klasse 7

Mein Bruder hat mir gesagt, dass ich auf meinen Körper achten soll als Mädchen und dass ich vor allem von Jungs fernbleiben soll. Mein Bruder ist angehalten worden mir dies zu sagen.

Eines Tages kam ich von der Schule nach Hause und traf eine Freundin. Wir begrüßten uns wie immer, danach begann sie mir zu erzählen, dass eine unserer Freundin HIV/AIDS hat, also tat ich mein bestes um ihr zuzuhören. Als sie fertig war, sagte ich ihr sie soll aufhören diese Dinge anderen Leuten zu erzählen. Ich ging heim, dann sofort zu meiner Freundin. Sie weinte. Ich fragte sie was los ist und sie bat mich um Rat. Ich sagte zur ihr, dass ich mein Bestes geben werde um für sie da zu sein und ihr ab sofort helfen werde wo ich nur kann.

Puleni 7. Klasse

Zunächst dachte ich, HIV / AIDS gibt es nicht. Ich dachte, das ist eine Story um die Leute zu erschrecken. Später erst hat sich das geändert und ich begann, mehr über HIV zu erfahren.

Eines Tages erzählte mir mein Freund, dass er positiv ist. Ich war geschockt. Ich traute meinen Ohren nicht, weil er ein gut gebauter, dicker Junge war. Als wir klein waren, waren wir enge Freunde und halfen uns oft.

Er sagte, seine Eltern sind an AIDS gestorben und er ist ein Waise und wird unterstützt. Manchmal fühlt er sich einsam und anders, weil er sich von anderen unterscheidet. Manchmal wirft er dann seine Medikamente weg.

Eines Tages fragte er mich, ob ich ihn bei der Behandlung mit Medikamenten unterstützen könnte und ich stimmte zu. Manchmal ärgern ihn meine Freunde. Er fühlt sich dann schlecht und manchmal möchte er sich umbringen.

Diana, Klasse 6

Mir tun Menschen leid, die mit HIV geboren wurden. Ich habe Mitleid, weil diese Menschen von Anderen als Virus beschimpft werden und sie werfen Steine nach ihnen, Flaschen und andere Sachen.

Wenn du HIV positiv bist, musst du deine Medikamente jeden Tag einnehmen, damit du dich besser fühlst. Ich werde mich nicht von dir abwenden, weil du HIV positiv bist, Ich werde einfach bei dir sein, mit dir spielen und mit dir essen. Wenn du HIV hast, musst du dich unbedingt gesund ernähren und Gemüse essen, damit du Energie hast.

Johannes 19 Jahre alt

Ich lebe bei meiner Großmutter, die für mich sorgt. Meine Großmutter ist die einzige, die mir hilft und immer für Nahrung sorgt. Meine Eltern haben mich verlassen, als ich ein kleiner Junge war. …

In Zeiten von Aids aufzuwachsen, was sind deine Erfahrungen?

Ich bin in einem Land mit AIDS aufgewachsen, ich habe viel über diese Krankheit gelernt. Jetzt weiß ich, dass diese Krankheit schon lange hier ist und unser Land stark beeinflusst hat.

Ich weiß, die meisten Menschen sterben an AIDS und das macht die hohe Zahl an Toten in diesem Land aus. Die Bevölkerung schrumpft. Die meisten Kinder haben ihre Eltern verloren und die Anzahl der Waisen wuchs auf einen hohen Level. Es wird lange dauern, bis die Regierung all diesen Waisen helfen kann.

Ich habe auch mehr über Menschen gelernt, die AIDS haben. Die meisten, die AIDS haben, haben ein schlechtes Leben, denn die Familien wollen niemand, der AIDS hat. Die Regierung muss den Menschen sagen, dass sie damit aufhören sollen, denn das führt zu noch mehr Toten in unserem Land.

Ich habe noch mehr über diese Krankheit gelernt. Manche Menschen gehen zum AIDS – Test und der Doktor sagt ihnen dann, dass sie AIDS haben. Sie töten sich dann selbst, erschießen oder erhängen sich.

Aber in diesem Moment solltest Du zu einem NEW START CENTER gehen oder zu einem Freund, von dem Du weißt, dass er ein anständiger Kerl ist, und ihm erzählen, dass Du HIV hast. Der wird Dich beraten. Ich glaube, dass das der Weg ist, wie wir die hohe Todesrate lösen können.

Ich habe auch mehr darüber gelernt, welche Lebensmittel du brauchst und essen musst um gesund zu bleiben. Ich weiß, du brauchst Fleisch, Fisch, Eier und Mais. Das sind die Nahrungsmittel, die du benötigst, wenn Du AIDS hast. Und trinke keinen Alkohol. …

Ich weiß auch, wie man sich selbst vor AIDS schützen kann. Benutze Kondome oder sei enthaltsam bis nach der Hochzeit.

Broschüre: Who Takes Care?